Gautschen

15-01-2013

Das "tugendhafte Leben" begann für mich Ende 1999 – nach meiner Gautschfeier

Gautschen ist ein bis ins 16. Jahrhundert rückverfolgbarer Buchdruckerbrauch, bei dem ich und zwei Kollegen nach unserer bestandenen Abschlussprüfung 1999 im Rahmen einer Freisprechungszeremonie in einer Bütte untergetaucht und auf einen nassen Schwamm gesetzt wurden.

Zu unserem Gautschakt gehörten neben uns als Gäutschlinge (auch „Kornuten“ genannt) der Gautschmeister, der erste und zweite Packer sowie der Schwammhalter.

Dem Lehrling wird eigentlich nicht mitgeteilt, wann genau er gegautscht wird. Gelingt es ihm nämlich, den Packern und somit dem Gautschen zu entfliehen, muss er das Gautschfest nicht selber bezahlen. Wir organisierten unsere Gautschfeier damals selbst – wir dachten gar nicht an's "Fliehen".

Es war im November, bitterkalt und eigentlich zu spät für einen solchen "Spaß". Mit der Stadtkapelle machten wir uns vom Betrieb auf zum Stadtbrunnen – die Tettnanger Straßen wurden eigens dafür abgesperrt. Der Brunnen wurde extra für uns nochmal von der Stadt gereinigt. Auf den Ruf unseres Gautschmeisters „Packt an!“ wurden wir nacheinander von den Packern gefasst und mehrmals in den Tettnanger Stadtbrunnen getunkt. Während des Gautschens hält der Schwammhalter eine launige Ansprache an die Gäutschlinge und das umstehende Publikum.

Bei uns wurde das Gautschen als symbolische Maßnahme betrachtet, um die angeblich schlechten Gewohnheiten aus der Lehrzeit abzuwaschen. Darum muss die ganze Zeremonie auch vom Gäutschling mit einem "Bekenntnis" besiegelt werden:

"Es sei künftig mein Bestreben, stets ein tugendhaftes Leben!"

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